Die Freiheit im Netz nimmt beständig ab
Es ist besonders besorgniserregend, dass dieses grundlegende Recht laut "Freedom on the Net" in den letzten fünfzehn Jahren zunehmend eingeschränkt wurde.
20.11.2025
Internetfreiheit gibt Menschen das Recht, das Internet ohne Einschränkungen oder Zensur zu nutzen, Informationen frei zu teilen und ihre Meinungen online zu äußern. Weshalb es besonders besorgniserregend ist, dass dieses grundlegende Recht in den letzten fünfzehn Jahren zunehmend eingeschränkt wurde. Dieser Trend zeigt einmal mehr, wie verletzlich digitale Räume geworden sind – und wie wichtig es ist, Haltung zu zeigen, bevor Hass, Repression und Manipulation zu groß werden.
Der Bericht Freedom on the Net 2025 von Freedom House zeigt, dass sich die Lage in 27 der 72 untersuchten Länder verschlechtert hat, während nur 17 Länder Verbesserungen verzeichneten. Besonders drastisch war der Rückgang in Kenia, wo staatliche Stellen während der Proteste im Juni 2024 eine mehrstündige Internetsperre verhängten. Dies zeigt, wie schnell digitale Räume instrumentalisiert werden können.
Deutliche Fortschritte zeigte hingegen Bangladesch. Studentische Proteste führten im August 2024 zum Sturz der repressiven Regierung; China und Myanmar zählen weiterhin zu den restriktivsten Staaten, während Island seine Position als freiester digitaler Raum behauptet.
Auch in den als „frei“ eingestuften Ländern setzte sich der Negativtrend fort. Besonders markant war der Rückgang in Georgien infolge repressiver Maßnahmen gegen die Zivilgesellschaft. In Deutschland führten strafrechtliche Ermittlungen gegen regierungskritische Äußerungen sowie rechtsextreme Bedrohungen zu verstärkter Selbstzensur. In den USA trugen Einschränkungen des zivilgesellschaftlichen Handlungsspielraums zur Schwächung des digitalen Aktivismus bei.
Die zentrale Rolle des Internets als Herrschaftsinstrument zeigt sich insbesondere in autoritären Regimen. Staaten wie Ägypten, Pakistan, Russland, die Türkei und Venezuela verschärften ihre Kontrolle über digitale Räume und intensivierten Überwachung, Inhaltsrestriktionen und Sanktionen gegen oppositionelle Stimmen – besonders während politisch sensibler Phasen. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung digitaler Repression für autoritäre Machtsicherung.
Zudem haben sich Manipulationsstrategien im digitalen Raum ausgeweitet. Der entsprechende Indikator verzeichnete über die vergangenen 15 Jahre den deutlichsten globalen Rückgang. Zu den gängigen Methoden zählen bezahlte kommentierende, imitierte Nachrichtenseiten, KI-generierte Desinformation sowie verdeckt agierende Influencer, die regierungsnahe Narrative verbreiten.
Technologische Entwicklungen wie satellitengestützte Internetdienste erweitern zwar den Zugang in abgelegene Regionen, setzten Anbieter jedoch stärker staatlichem Druck aus. Parallel dazu gerät die Online-Anonymität zunehmend unter Druck, da sowohl demokratische als auch autoritäre Regierungen häufiger Identitätsverifikationen vorschreiben – oft mit Verweis auf den Schutz Minderjähriger. Diese Entwicklungen verschärfen grundlegende Spannungsfelder zwischen Sicherheit, Privatsphäre und Meinungsfreiheit im digitalen Raum.